NEUE MITTELLAND ZEITUNG                                                        Beat Waldmeier                                                    DONNERSTAG, 16. AUGUST 2001

 

 

Der Ersiger Bruno Keller stellt ab morgen in der Galerie Bouvrot in Koppigen aus. Das Zusammenspiel von Farben und Formen ist ihm besonders wichtig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: H. Bärtschi,ERSIGEN / KOPPIGEN

 

Ersigen/Koppigen

Es gibt Leute, die brauchen aus irgendwelchen Gründen immer sehr lange, bis sie ihre Neigungen ausleben können. So auch Bruno Keller. Textildesign hätte dem gebürtigen Dübendorfer eigentlich gepasst, von der Familie her hätte er irgendwas bei der Swissair werden sollen, schliesslich gab es einen technischen Kaufmann. Ein «rechter Beruf», wie es die Eltern wollten. Nach einer Wanderschaft durch die Schweiz landete Keller beruflich in Solothurn und Bern und privat in Ersigen, wo er seit 30 Jahren wohnt. Das Thema Kunst liess ihn zumindest passiv nicht in Ruhe, vor 20 Jahren dann aber begann er sich auch aktiv damit zu befassen. «Im Hinblick auf die Pensionierung», wie der heute 72-Jährige sagt. «Ich wollte einfach mal den Entschluss umsetzen, was ich vor 30, 40 Jahren hätte machen wollen», erklärt er.

Suchen und sich selbst bleiben

Als Betrachter seiner Bilder ist man froh, dass er nicht nur mit Kursen und Malen im stillen Kämmerlein sein künstlerisches Dasein gefristet, sondern vor zehn Jahren zum ersten Mal ausgestellt hat, wie es ihm ein Profi riet. Seine Bilder, meist Menschen darstellend, verraten einen Maler, der sich ständig weiterentwickelt, der Formen und Farben beherrscht, was ihm tatsächlich ein Anliegen ist. Ein gutes Bild, so Keller, sei eines, dass beides zusammenbringe. Die Harmonie müsse da sein. "Ich versuche, mich selbst zu bleiben", sagt er zu seiner Entwicklung. Gleichzeitig werde er aber immer mehr vereinfachend. Vor zehn Jahren stellte Bruno Keller in Dübendorf zum ersten Mal aus und war erstaunt über den Erfolg. «Feedback und Erfolg geben Mumm», sagt er. Sämtliche Ausstellungen seien so gewesen, erzählt er und wundert sich gleichzeitig ein wenig. Bei solchen Erklärungen drängt sein Humor nach vorne, wenn er sagt: "ich bin wahrscheinlich einfach besonders gut». Um mit dem gleichen schelmischen Lächeln zu erklären, Karikaturist wäre bei ihm auch noch möglich gewesen. Es ist nicht ein platter Humor, sondern ein sehr feiner, und diese Art Feinheit ist bei Bruno Keller selber und auch in seinen Bildern zu spüren. Seine Materialien sind Öl und Acryl. Mit Öl arbeitet er in seinem Atelier in Bern, mit Acryl auch mal zuhause in Ersigen. Letzteres ergebe andere, spontanere Bilder, hier kann er auch «dick auftragen», weil er gerne mit dem Spachtel arbeitet. Etwa drei Mal pro Woche zieht es den nun Pensionierten in sein Atelier, wo er sich von der Atmosphäre des Raumes inspirieren lässt. Dieses sich in (gute) Stimmung bringen ist ihm wichtig, weil es in schlechter Laune keine Bilder geben dürfe. Er male aus dem Bauch, dabei «weiss man nicht, was herauskommt». Wenn's schlecht kommt, kann man übermalen, aber er warte lieber mal zu, als dreinzuschiessen.